EU-Bestellungen versenden wir aus unserer EU-Werkstatt in Litauen. UK-Bestellungen aus unserer UK-Werkstatt.
Kostenlose Beratung zur Passform: vor der Bestellung anfragen
materialiencarbonkaufberatung

Dry Carbon vs. Wet Carbon vs. Forged Carbon – erklärt vom Hersteller

GRAMS Styling6 Min. Lesezeit

Nahaufnahme eines glänzenden Carbon-Frontsplitters mit GRAMS Styling Logo unter einer weißen Frontstoßstange

„Dry Carbon“ und „Wet Carbon“ gehören zu den verwirrendsten Begriffen bei Fahrzeugteilen. Händler nutzen sie mal für ein Herstellungsverfahren, mal für eine Oberflächenausführung und manchmal schlicht für eine Preisklasse. Als Werkstatt, die jede Woche Carbonteile laminiert, erklären wir hier, was die Begriffe wirklich bedeuten – und welches Verfahren in den meisten Ratgebern unterschlagen wird.

Die Kurzfassung

  • Dry und Wet beschreiben, wie das Harz in das Carbongewebe gelangt. Sie sagen nichts darüber aus, ob das Teil matt oder glänzend aussieht.
  • Es gibt drei Hauptverfahren, nicht zwei: Handlaminat (Wet Lay-up), Vakuuminfusion und Prepreg.
  • Forged Carbon ist wiederum ein anderes Material: geschnittene Fasern, die in einer Form gepresst werden, kein Gewebe.

Handlaminat (Wet Lay-up): Harz von Hand aufgetragen

Beim klassischen Handlaminat wird das Carbongewebe in die Form gelegt und das Harz von Hand mit Pinsel oder Rolle eingearbeitet. Dafür ist kaum Spezialausrüstung nötig, weshalb viele günstige Teile so entstehen.

Der Nachteil ist die fehlende Kontrolle. Die Harzmenge hängt von der Person am Pinsel ab, und die Teile enthalten meist mehr Harz als nötig. Überschüssiges Harz bringt Gewicht, aber keine Festigkeit. Manche billigen „Carbon“-Teile bestehen zudem nur aus einer einzigen Sichtcarbon-Lage auf einem dicken GFK-Träger. Von vorn sehen sie aus wie Carbon, wiegen und verhalten sich aber wie GFK.

Vakuuminfusion: wie wir unsere Carbonteile fertigen

Bei der Vakuuminfusion wird das trockene Carbongewebe zuerst in die Form gelegt. Der gesamte Aufbau wird unter einer Vakuumfolie luftdicht verschlossen, und das Vakuum zieht anschließend Epoxidharz durch das Gewebe, bis es vollständig durchtränkt ist.

Da das Vakuum den Harzfluss steuert, ist der Harzanteil geringer und deutlich gleichmäßiger als beim Handlaminat. Das Laminat wird während des Aushärtens verdichtet, wodurch das Teil leichter und steifer wird. Für die Infusion ist kein Autoklav nötig, was die Kosten im Rahmen hält. Deshalb werden unsere Carbonteile, wie etwa Side Diverter für den Supra MK4, per Vakuuminfusion mit Epoxidharz gefertigt.

Viele Ratgeber springen direkt von „Wet“ zu „Dry“ und lassen die Infusion aus. Das ist schade, denn bei den meisten Fahrzeugteilen kommt die Vakuuminfusion bei Gewicht und Steifigkeit nah an Prepreg heran – zu einem Bruchteil der Kosten.

Prepreg: was „Dry Carbon“ ursprünglich bedeutete

Prepreg-Gewebe wird bereits vom Lieferanten mit einer exakt dosierten Harzmenge vorimprägniert. Es wird in die Form gelegt, unter Vakuum verpackt und unter Hitze und Druck ausgehärtet – meist im Autoklav (einem beheizten Druckbehälter). Manche Hersteller nennen etwa 120 °C bei mehreren Bar Druck.

Dieses Verfahren steckt hinter echtem „Dry Carbon“. Es liefert den niedrigsten Harzanteil, die höchste Reproduzierbarkeit und die leichtesten Teile. Gleichzeitig ist es das teuerste Verfahren: Das Gewebe muss tiefgekühlt gelagert werden, die Formen müssen den hohen Temperaturen standhalten und ein Autoklav ist eine große Investition. Prepreg ist im Motorsport sinnvoll, wo jedes Gramm zählt und der Preis zweitrangig ist.

Forged Carbon: geschnittene Fasern aus der Presse

Forged Carbon besteht aus kurzen, geschnittenen Carbonfasern, die mit Harz vermischt und in einer beheizten Form gepresst werden. Die Fasern liegen in alle Richtungen, was die typische marmorierte Optik erzeugt.

Es eignet sich hervorragend für komplexe Geometrien wie Spiegelkappen, Zierleisten und kleine Halterungen, da die kurzen Fasern in Ecken fließen, denen ein Gewebe nicht folgen kann. Bei großen, flachen Bauteilen ist ein gewebtes Laminat bei gleicher Steifigkeit meist leichter. Wählen Sie Forged Carbon wegen der Optik, nicht als technisches Upgrade gegenüber gewebtem Carbon.

Matt ist eine Ausführung, kein Verfahren

Genau hier entsteht die meiste Verwirrung. Viele Händler bezeichnen inzwischen jedes matte Carbonteil als „Dry Carbon“. Ob ein Teil matt oder glänzend wirkt, entscheidet jedoch der abschließende Klarlack, nicht die Herstellung des Laminats:

  • Ein glänzendes Teil hat einen glänzenden Klarlack über der Gewebestruktur.
  • Ein mattes Teil hat einen matten Klarlack über derselben Gewebestruktur.

In unserem Shop bezeichnet „Dry Carbon matt“ die matte Ausführung unseres vakuuminfundierten Carbonlaminats. Wir nennen sie so, weil Käufer genau nach diesem Begriff suchen. Es handelt sich nicht um ein Autoklav-Prepreg-Teil – und das sagen wir Ihnen lieber offen, statt Sie im Unklaren zu lassen.

Unabhängig von der Ausführung benötigt Carbon im Außenbereich immer einen UV-beständigen Klarlack. Ungeschütztes Epoxidharz vergilbt im Sonnenlicht mit der Zeit und wird kreidig.

Woran Sie erkennen, was Sie kaufen

  1. Fragen Sie den Hersteller nach dem eingesetzten Verfahren. Ein echter Fertigungsbetrieb gibt Ihnen darauf eine klare Antwort. Ein reiner Weiterverkäufer kann das oft nicht.
  2. Schauen Sie sich die Rückseite des Teils an. Eine dicke weiße oder grüne Schicht hinter einer einzelnen Carbonlage weist auf einen GFK-Unterbau hin.
  3. Fragen Sie nach dem Gewicht des reinen Bauteils, nicht nach dem Versandgewicht samt Karton.
  4. Seien Sie skeptisch bei Zahlen ohne Vergleichsbasis. Aussagen wie „60 % leichter“ hängen komplett vom jeweiligen Teil und dem verglichenen Laminataufbau ab.

Welches Verfahren passt zu Ihrem Projekt?

Verfahren Gewicht Gleichmäßigkeit Kosten Ideal für
Handlaminat (Wet Lay-up) Schwerstes Carbon Schwankend Am niedrigsten Optikteile für kleines Budget
Vakuuminfusion Leicht Gut Mittel Aerodynamikteile für Straße und Trackdays, die meisten Bodykits
Prepreg (Autoklav) Am leichtesten Am besten Am höchsten Motorsport, gewichtskritische Teile
Forged Bauteilabhängig Gut Mittel bis hoch Kleine komplexe Formen, besondere Optik

Für Frontsplitter, Heckflügel, Diffusoren und Karosserieteile an Straßen- oder Trackday-Fahrzeugen ist die Vakuuminfusion der ideale Mittelweg. Wenn Sie das Teil ohnehin in Wagenfarbe lackieren möchten, lohnt sich der Blick auf GFK: Den direkten Vergleich finden Sie in unserem Beitrag Bodykits aus GFK vs. Carbon.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen Dry Carbon und Wet Carbon?

Bei Wet Carbon wird das Harz von Hand in das Gewebe eingestrichen. Dry Carbon bezeichnet ursprünglich Prepreg: Gewebe, das bereits mit einer exakt dosierten Harzmenge geliefert und unter Hitze sowie Druck ausgehärtet wird. Dry Carbon ist leichter und gleichmäßiger, kostet aber mehr.

Ist mattes Carbon dasselbe wie Dry Carbon?

Nein. Matt und glänzend beschreiben lediglich den Decklack. Viele Händler nennen matte Teile „Dry Carbon“, doch die Ausführung der Oberfläche sagt nichts darüber aus, wie das Laminat gefertigt wurde.

Ist Forged Carbon stabiler als normales Carbon?

Nicht bei großen Bauteilen. Forged Carbon nutzt kurze geschnittene Fasern, die in alle Richtungen zeigen. Es eignet sich gut für kleine, komplexe Formen, aber bei flachen Teilen ist ein gewebtes Laminat bei gleicher Steifigkeit meist leichter.

Was ist Vakuuminfusion?

Trockenes Carbongewebe wird in der Form unter einer Vakuumfolie abgedichtet, woraufhin das Vakuum das Harz durch das Gewebe zieht. Das ergibt ein leichteres, gleichmäßigeres Laminat als beim Handlaminat – ohne die hohen Kosten eines Autoklavs.

Wie werden die Carbonteile von GRAMS Styling hergestellt?

Unsere Carbonteile werden im Vakuuminfusionsverfahren mit Epoxidharz gefertigt, in denselben Formen wie unsere GFK-Teile. Sie sind mit glänzender Gewebeoptik, in matter Dry-Carbon-Ausführung oder als farbiges Carbon erhältlich.

← Alle Artikel